Zwei entschleunigte Tage auf dem Bärentrail

Als der Herbst am schönsten war, haben wir uns auf vergessenen Pfaden aufgemacht, einigen Naturschönheiten und wirklich kraftvollen Orten der Frankenjura einen kurzen Besuch abzustatten. Dabei durften wir eine Nacht in dieser herrlich inspirierenden Landschaft unter freiem Himmel verbringen.

 

Unsere Tour sollte uns zwar nur ca. 18 Kilometer auf einem Rundweg um die kleine Ortschaft Neudorf führen, aber da wir vorhatten eine Nacht draußen zu verbringen, wog die Ausrüstung für unser Vorhaben inklusive warmen Schlafsäcken gefühlt wie Mühlsteine auf unseren Rücken. Ein Grund mehr, die Tour langsam angehen zu lassen.

Aromatische Begegnungen am Wegesrand – Wilder Fenchel und Streuobstwiesen

Wilder Fenchel auf einer mageren Wiese auf dem Görauer Anger. Wunderbar geeignet für die Wildpflanzenküche.

Wer sich die Zeit nimmt, den Blick für die kleinen Dinge zu schärfen. wird oft mit neuen Impulsen und Erfahrungen belohnt. Auf einer kleinen Wiesenfläche nahe dem Wanderweg, stießen wir unverhofft auf wild wachsenden Fenchel. Der Verlockung einige Samenkapseln zu probieren konnten und wollten wir nicht widerstehen. Schon beim ersten daraufbeißen entfaltete sich im Mund ein wunderbar frischer und würziger Geschmack, die enthaltenen ätherischen Öle konkurrieren wirklich mühelos mit jedem künstlichen Aroma! Vorsicht ist jedoch geboten beim Sammeln von Pflanzenteilen in sensiblen ökologischen Schutzgebieten! Wir beließen es daher bei einer kleinen Kostprobe und zogen dann weiter unseres Weges, der uns alsbald an einer Streuobstwiese mit wunderbaren alten Apfelbäumen vorbeiführen sollte. Der herbstliche Frankenjura hätte uns wohl nicht freundlicher empfangen können! Einmal mehr wurde uns bewußt, wieviel wildwachsende Fülle der Herbst für uns bereithält, wenn wir uns nur darauf einlassen.

 

Ursprünglich und urig! Durch das archaische Bärental

Ob das Wort „wildromantisch“ das Bärental genau beschreibt, muss jeder für sich selbst entscheiden, während er dem engen Pfad durch das tief eingeschnittene Tal folgt. Für mich hat es fast etwas archaisches an sich. Verstärkt wird dieser Eindruck von großen und teilweise bekletterbaren Felsengruppen, die sich links und rechts des Weges erstrecken.

Gleich zu Beginn des Trails erwartete uns das erste Highlight der Tour. Unter dem sogenannten „Schrägen Dach“, einem großen Felsvorsprung der Schutz vor Wind und Wetter bietet, hatten sich schon steinzeitliche Menschen von den Strapazen der damals noch lebensgefährlichen Jagd auf wilde Tiere erholt. Leider liegt der Ort gut zugänglich direkt am Wanderweg und somit ist ihm ein wenig von dem urzeitlichen Zauber abhanden gekommen. Auch heute zeigen sich hier Spuren menschlicher Rast, jetzt allerdings in Form von Bonbonpapierchen und Zigarettenkippen. Wenn man sich trotzdem die Zeit nimmt und ein wenig in den Ort hineinspürt, kann man  sicher nirgendwo besser in unserer Heimat auf eine steinzeitliche Traumreise gehen als hier. Ich persönlich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, mir bei unserm kurzen Verweilen vorzustellen, welche Geschichten sich wohl hier an diesem Ort in grauer Vorzeit zugetragen haben mögen. Welche Triumphe gefeiert und welche Dramen sich hier vielleicht inabgespielt haben könnten.

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Das Felsentor

Das Felsentor im Bärental war für mich das beeindruckendste Naturwunder auf unserer Wanderung. Ungefähr 20 meter hoch ragt das Portal vor dem Wanderer auf. Durch einen märchenhaften Buchenwald, dessen Boden stellenweise von einem Wirrwarr alter kräftiger Wurzeln gebildet wird, stiegen wir bis hinauf auf die Felsbrücke selbst. Von dort oben aus hat man einen wirklich außergewöhnlichen schönen Blick auf das Bärental. Obwohl das Felsentor von vielen Kletterfreunden besucht wird, findet man hier so gut wie keinen achtlos weggeworfenen Abfall. Ein wundervoller Ort, an dem man die Urkräfte und Vorgänge mit unserem begrenzten Zeitverständnis nur erahnen kann, die sich für die Bildung einer solchen beeindruckenden Felsformation verantwortlich zeigen.

 

An der Krassachquelle

Quellen wohnt eine ganz eigene und praktische Magie inne. Für diejenigen, die lange vor uns dieses grüne Stück Land ihre Heimat nennen durften, hatten diese Orte existenziellen Charakter. So erging es schließlich auch uns, da wir uns vorgenommen hatten, die zwei Tage nur mit unseren Wasserfiltern zu bestreiten, und ansonsten auf Frischwasser gänzlich zu verzichten. Hier sprudelt aus dem sauberen Sand im Bachlauf ein absolut klares Wasser aus der Tiefe der Erde.

Frisches, kaltes Wasser strömt hier unter dem Sand eines kleinen Bachbettes an die Oberfläche und wird bald zur Krassach.

 

Eine Nacht unter Buchen und ein Dankeschön an den Wald

Als eine kleine Herausforderung gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Entweder der ins Auge gefasste Platz lag zu nah an der Straße, zu nah an einer Ortschaft oder er war schlichtweg zu nass oder anderweitig unbrauchbar. So investierten wir im Schweiße unseres Angesichts dann ca. zwei Stunden, bis wir schließlich, nach einer waghalsigen Kletterpartie einen geeigneten Schlafplatz in einem Buchenhain gefunden hatten. Da dieser Platz alle Anforderungen erfüllte, richteten wir uns schließlich für die Übernachtung ein.

Mit der Nacht kam dann Platzregen, Wind und ein kleiner Kälteeinbruch. Da wir nicht gänzlich unerfahren in der Wahl unserer Ausrüstung sind, hatten wir zum Glück das richtige Equipment dabei. Jetzt, als der Regen auf unsere Biwisäcke trommelte und der Wind an uns zerrte, waren wir froh darüber, das Extra-Gewicht an Ausrüstung investiert zu haben. Am nächsten Morgen konnten wir uns nach einer kleinen Diskussion darauf einigen, dem Wald und den offensichtlich guten Geistern des Ortes, ein kleines Dankeschön für die schadlos überstandene Nacht dazulassen. Nach einem kräftigen Kaffee setzten wir unseren Weg in Richtung Burgruine Niesten fort.

Ein kleines Dankeschön an die guten Geister nach einer friedlichen Nacht unter freiem Himmel.

Zur Burgruine Niesten, die letzte Station auf dem Trail

Die Burgruine Niesten sollte das letzte Highlight unseres Trips auf dem Bärentrail werden. Entsprechend imposant gestaltete sich dann auch der Anblick des Felsens über dem Dörfchen Niesten. Ich fühlte mich sofort an die „Wetterspitze“ aus dem Herrn der Ringe erinnert, als wir uns an den Aufstieg machten. Hier oben befand sich einst eine feste Fliehburg. 1142 von den Edelherren zu Niesten erbaut, wurde die Burg in den Bauernkriegen im Jahre 1525 zerstört, nur 3 Jahre später wieder aufgebaut und ging als verfallene Ruine im Jahre 1795 in den Besitz der Gemeinde über. Oben auf dem Plateau erinnert heute nichts mehr an die einstige Befestigungsanlage, dafür hat man einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Wälder und das Dörfchen zu Füßen des Berges. Direkt unterhalb der ehemaligen Anlage befindet sich das sogenannte „Eselsloch“ eine kleine Höhle im Berg, die wohl einst zu der Burg gehört haben muss. Auch eine gesicherte und feste Feuerstelle haben wir auf dem Gelände vorgefunden und diese gleich für ein kleines Mittagessen genutzt, bevor es die letzten Kilometer in Richtung Görauer Anger zurückging.

Die imposante Felsformation über Niesten. Einst Sitz einer Fliehburg, jetzt ein lohnendes Ausflugsziel in der fränkischen Schweiz

Mein Fazit nach 2 Tagen auf dem Bärentrail: Ihr solltet diesen Pfad unbedingt selbst einmal erwandern, im Normalfall schafft ihr die Strecke in 5-6 Stunden. Die Dichte an Naturschönheiten und Panoramen ist wirklich beeindruckend! Angefangen von der Weitsicht am Görauer Anger, durch das tiefe Bärental und wieder hinauf über die Burgruine Niesten bekommt ihr einen wirklich umfassenden Eindruck vom Frankenjura.

 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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