Weitersagen! Vom Zauber unserer Sagenwelt

Entdecke den Zauber der Volkssage! In diesem Artikel zeige ich dir, wie vielschichtig unsere heimische Sagenwelt ist, wie du persönlich von dem Wissen um sie profitieren kannst und wie du deine folkloristische Flora und Fauna vor dem Vergessenwerden bewahren kannst.

Heimat, das ist vertraute Landschaft, Fels und Fluss. Das sind die Menschen die wir unsere Familie nennen, das sind unsere eigenen Geschichten und Erinnerungen. „Zuhause zu sein“ Das heißt auch zu begreifen, das unsere Wurzeln tiefer reichen, feiner verflochten und verästelt sind, als wir oberflächlich betrachtet vielleicht glauben mögen.  Die Wurzeln eines jeden Einzelnen von uns gründen  tief hinab bis in den Urquell, den Urdbrunnen,  der gespeist wird aus dem Wissen und den Erfahrungen unserer Ahnen. Und eben diese Wissen und manchmal auch die Thorheit der Alten, ist  in seiner magischen Essenz konserviert geblieben in der Volkssage……

Über die thematische Vielfalt der Volkssage

  • Geister oder Gespenstersagen

Schon unsere Ahnen stellten Überlegungen über die Beschaffenheit der Seele an. In den zahllosen Geistergeschichten der Volkssage finden die mythischen und heidnischen Vorstellungen unserer Vorfahren über das Totenreich ihren Wiederhall. Alte Jungfern sind nach ihrem Ableben dazu verdammt, ihr weiteres Dasein als Kiebitz im Moor zu fristen oder dem Gehängten entfährt unter Getöse die Seele als Sturmwind, ehe er sich auf ewig der wilden Jagd anschließen muss.

Nach alter Überlieferung war auch die Vorstellung nicht unüblich, der Geist könne den Menschen auf dem Totenbett in mannigfaltiger Tiergestalt durch den Mund als Kröte, Maus oder Schlange verlassen.

  • Hexensagen

Unrühmliche Ereignisse der europäischen Geschichte werfen in den Erzählungen über Druden und Hexer in der Volkssage ihre langen Schatten vorraus. Es wird wohl keine Region Deutschlands geben, in der der “böse Blick” oder der Wirbelwind beim Hexenritt Schaden an Ernte, Vieh und Mensch angerichtet hätte.

  • Elementargeistersagen

Die bäuerliche Lebenswelt unserer Vorgänger war hart. Geprägt von der ständigen Angst vor Missernten, Sturm und Hagel, ist es nicht verwunderlich, das gerade der ländliche Sagenraum reich an Geistwesen ist, die die elementaren Kräfte der Natur personifizieren.

Da geht es um Sturmriesen, die Bäume entwurzeln, Wichtel, Erdmännchen, Nixen und andere Wassergeister.

  • Historische Sagen

Den bei weitem größtem Raum nimmt in der Volkssage der Bericht über tatsächliche historische Begebenheiten ein. Hier steht der Wunsch der Bevölkerung im Vordergrund, ein einschneidendes Ereignis im gemeinschaftlichen Leben festhalten zu können. In unserer Region drehen sich daher viele Geschichten um die Schwedenkriege und um die napoleonische Herrschaft. Historische Sagen sind ein guter Ausgangspunkt um zu verstehen, wie sich die eigene Region sprachlich und kulturell zu dem entwickelt hat, was sie heute ist.

 

  • Schuld und Sühnesagen

Neben den historischen Sagen, welche unabhängig von der offiziellen Geschichtsschreibung Aufschluss über die zeitlichen Umstände geben, sind Schuld und Sühnesagen ein wichtiger Bestandteil um das Wesen seiner Region besser zu verstehen.

Sie geben Aufschluss über den damaligen Umgang mit Gemeinschaft, Sitte und Recht. Hier geht es zumeist um Ehebruch, Grenzsteinversetzung, Habgier, Neid und im allgemeinen um eine, meist übernatürliche, Strafe für nicht gesellschaftskonformes Verhalten. Im gesamten europäischen Raum gibt es Sagen über ganze Dörfer, Burgen, oder Geschlechter, die aufgrund ihres gotteslästerlichem Lebenswandels im wahrsten Sinne des Wortes untergingen.

  • Die Sage als Bindeglied zwischen heidnischem und chtistlichem Brauchtum

Die Volkssage eignet sich auch hervorragend dazu, sich auf die Suche nach heidnischen Bestandteilen im schon christianisierten Europa zu machen. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich die immer wieder und allenortens auftretende Gestalt des wilden Jägers, in dem das christlich teuflische mit dem heidnischen Motiv des Wotans verschmilzt. Auch in vielen Mariensagen finden sich noch Bestandteile der gütigen Urgöttin. Auch weisen schwierige Kirchgründungen, bei denen sich die Steine wie von geisterhand des Nachts von der Baustelle entfernen, auf den Unwillen der Bevölkerung hin, ihre lange kultivierten Bräuche unterzuordnen.

Zwei gute Gründe dafür, dich mit der Volkssage zu beschäftigen

Folklore ist Magie zum Anfassen

Lokale Folklore zu kennen, das heißt in erster Linie, ein bisschen mehr Zauber in sein Leben zu lassen. Es ist ein schönes Gefühl, durch die Straßen seiner Stadt zu schlendern und Orte zu erkennen, an denen sich denkwürdiges und kurioses abgespielt hat. Bei uns in der Stadt gibt es zB. das „Bindfadengässchen“. Laut Überlieferung trieb ein „graues Männlein“ hier sein Unwesen. Es sponn Menschen und zuletzt die ganze Gasse mit Bindfäden so ein, so das sich keiner mehr rühren konnte. Verschwunden ist es mit all seinen Fäden beim letzten Schlag der Glocke um Mitternacht unter höhnischem Gelächter. Von diesem Spuk soll das Gässchen seinen Namen haben. Aber nicht nur Stadtgeschichte lässt sich magisch und märchenhaft neu erfahren. Auch persönlich Kraftorte, die du vielleicht schon seit Jahren immer wieder instinktiv aufsuchst, Quellen, Felsen ect. in der freien Natur erscheinen nach dem Studium eines Sagenbuches eventuell manchmal in einem ganz neuen Licht. Oftmals ist es ja so, das unsere Vorfahren Orte mieden oder als besonders „Wunderträchtig“ beschrieben, weil diesen Plätzen eben schon seit der Frühzeit eine besondere Aura innewohnte. Eine gute Gelegenheit also einmal zu recherchieren ob der Platz den du besonders gerne magst, vielleicht noch eine andere Geschichte zu erzählen hat. Das ist nicht nur spannend sondern hilft dir dabei, „deinen“ Kraftort noch tiefer zu erfahren.

Erlebe das große Gewebe

Wenn du ein Sagenbuch zur Hand nimmst, dann liest du nicht nur eine x-beliebige Geschichte, die irgendwo irgendwann von irgendjemandem erfunden worden ist.  Stell dir vor, du lädst eine komprimierte Datei aus der Cloud herunter und entpackst sie auf deinem Rechner. Was du auf der Meta-Ebene erhältst, ist ein Stück vom Gewebe, das Alles mit Allem verbindet. Zeit, Ort, Menschen, Volksglauben, Sitte und Landschaft und auch die noch ältere Vorzeit  verschmelzen in einer Volkssage zu einem Teil des großen Ganzen. Eine schönere Möglichkeit, das große Gewebe zu erleben gibt es beinahe nicht.

 

Das kannst du konkret dazu beitragen, um deine lokale Sagenwelt zu erhalten

Jäger und Sammler werden

Ganz konkret steht am Anfang jeder weiteren Arbeit mit Folklore die Recherche. Geh auf die Jagd nach Sagenbüchern, die sich konkret mit Überlieferungen aus deiner Region befassen. Es gibt glücklicherweise immer noch einige ambitionierte Heimatforscher, die Jahre ihres Lebens in die leidenschaftlich Erforschung ihrer regionalen Geschichte investiert haben. Oftmals ist auch der lokale Buchhandel die erste Anlaufstelle um sich mit guter Literatur zu versorgen. Auch Antiquariate sind eine gute Bezugsquelle. Ich lege dir also nahe, dir eine kleine Bibliothek zusammenzustellen. Dabei lohnt es sich auch immer, die Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Publikationen durchzuschauen, ich zB. sammle meine Sagenbücher nach Landkreisen und Regionen in Oberfranken. So stoße ich oft auf mehr Material, als wenn ich ein Werk zB. über ganz Bayern erstehen würde.

Zeig Freunden deine Stadt und betätige dich als „Anderswelt-Botschafter“

Ich mache leidenschaftlich gerne Stadtführungen und zeige Freunden und Bekannten von außerhalb gerne die Stadt in der wir leben. Werde doch einfach zum „Anderswelt-Botschafter“ Das Wissen das du dir aus den Büchern angeeignet hast, kannst du prima in deine Stadtführungen mit einbauen und lebendig werden lassen.  So gibst du nicht nur die Sage traditionell weiter, sondern sorgst auch dafür, das deine Stadt bei deinen Freunden in charaktervoller Erinnerung bleibt.

Mach mit deinen Kindern eine Sagentour

Es gibt mittlerweile nicht nur gut aufbereitete Sagenbücher für die Jüngsten, sondern bei uns in der Nähe zB. auch einen Sagenwanderweg, speziell für Kinder. Halte doch einfach mal gezielt nach solchen Angeboten Ausschau und verbringe einen schönen Nachmittag mit deinen Kindern mit unserem Kulturerbe. Auch so kannst du dazu beitragen, die Volkssage lebendig zu erhalten.

 

Ich wünsche dir jetzt erst einmal viel Spaß beim Eintauchen in deine lokale Mythenwelt, spannende und neue Erkenntnisse und viel Freude beim Weitersagen!

 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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