Kunst & Kult in Gotha: Zu Gast im „House of Inkantation“

Mit freudiger Erwartung und festen Wanderschuhen im Gepäck waren wir an diesem Wochenende aufgebrochen, um dem Ruf des in Gotha ansässigen „House of Inkantation“ zu folgen welches unter dem Motto „Sonne, Mond und Ähre“ zu einer Wanderung in den Herbst geladen hatte.

Eine Nacht auf dem Boxberg

Bereits nach zwei entspannten Stunden Fahrt im Wohnmobil war beim ersten Stop der kleinen Unternehmung der zauberhafte Charme des frühen Herbstes spürbar, der uns die nächsten beiden Tage ein treuer Begleiter sein sollte. Denn als unser Fiat Ducato, liebevoll „Grace“ genannt, auf dem von kleinen Kiefern umstandenen Stellplatz auf dem 360m hohen Boxberg zum halten kam, waren wir von dem Panorama das sich vor uns öffnete mehr als begeistert. In der direkten Nachbarschaft weideten Schäfchen auf einer in goldenes Abendlicht getauchten Wiese, während sich vor uns das das westthüringische Hügelland mit seinen Bergkämmen in der blauen Ferne verlor.

Während wir noch in der malerischen Landschaft und dem märchenhaften Licht des Abends schwelgten, meldete sich ganz profan der Magen und wir beschlossen, den Abend in der benachbarten Gaststätte „Thüringer Waldblick“ zu der auch der Stellplatz gehört, ausklingen zu lassen. Hier trafen wir bei deftiger, regionaler und durchweg empfehlenswerter Hausmannskost  auch zum ersten mal auf Familie Falkenstein, die in Gotha über die Jahre etwas ganz und gar wunderbares auf die Beine gestellt hat und am nächsten Tag die Wanderung auf dem Seeberg organisieren sollte. Deren „House of Inkantation“ ist sowohl als physischer Ort als auch als Kollektiv für Kunst und Klang mit dem Themenschwerpunkt Mystizismus zu verstehen. Während sich Martin für eine Vielzahl musikalischer Projekte und Kollaborationen verantwortlich zeichnet, begeistert sich seine Frau Carolin vor allem für Fotografie und die Herstellung von Schmuck mit Naturmaterialien, den sie unter dem Namen „Ybenhain“ vertreibt. Zudem sind über die beiden wunderbare Räuchermischungen zu erstehen, die rund um den Seeberg gesammelt und liebevoll gemischt werden.

Wir achten darauf, dass die Zutaten harmonieren. Wir bevorzugen waldige Mischungen aus Harzen, Rinden und Nadeln.

Martin über selbstgesammelte Räuchermischungen
aus dem Interview für seine Band „Mosaic“ im „Eibenreiter“

Ein durch und durch kreatives Paar also, mit dem wir hier oben auf dem Boxberg unser Abendessen und regionales Bier genießen durften. Nach dem Essen zog es uns alsbald in unser rollendes Domizil und wir verabschiedeten uns in die Nacht, nicht jedoch bevor wir noch einige gute Tips für Sehenswertes in der ehrwürdigen Residenzstadt erhalten hatten.

Im Herzoglichen Museum – Kunst, Katzenmumien und Miniaturnekropolen

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein nahmen wir am nächsten Morgen unseren Abschied vom Boxberg, seinen Schäfchen und dem Panorama und starteten mit „Grace“ in Richtung Gotha Stadtzentrum. Da die Zeit bis zum Abend nicht gerade üppig bemessen war, entschieden wir uns nach kurzer Parkplatzsuche dazu, einen Stadtbummel mit dem Besuch des Herzoglichen Museums zu verbinden. Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt erreichten wir schließlich den imposanten Bau im Stil der Neorenaissance aus dem 19.Jahrhundert. Zwei große, schwarze Löwen wachen am Treppenaufgang mit aristokratischer Miene über das Portal, hinter dem seit der Wiedereröffnung im Jahre 2013 unter anderem die Kunstsammlung der Herzöge von Sachsen-Gotha gezeigt wird. 

Wann immer es möglich ist, versuchen wir auf Städtereisen einen Museumsbesuch zu integrieren. Es ist einfach immer wieder ein schönes Gefühl, zusammen durch Ausstellungsräume zu schlendern, sich zu bilden und gemeinsam Neues zu entdecken. Und davon bot uns das Herzogliche Museum tatsächlich reichlich. Ägyptische Mumien, Grabsteine und Totenkult aus der griechisch-römischen Antike, ostasiatische Porzelankunst und Korkmodelle von Brunnenheiligtümern, Nekropolen und Tempeln….dazwischen immer wieder dezent eingestreut und thematisch passend, zeitgenössische Kunst.

Hätte es die Zeit erlaubt, hätten wir auch noch das genau gegenüberliegende Schloss Friedensstein besichtigt, doch die nächste Station unseres Trips wartete bereits. 

Alles in Allem lässt sich für das Herzogliche Museum eine klare Besuchsempfehlung aussprechen!

Per Astra ad Aspera – Von der alten Sternwarte auf steinigen Pfaden um den Seeberg und ins Haus der Beschwörung

Mit ein wenig Verspätung hatte sich dann gegen 17:30 eine überschaubare Schar von Wandersleuten an der „Alten Sternwarte“ am Seeberg zusammengefunden um gemeinsam mit Martin und Carolin vom House of Inkantation eine kleine Wanderung unter dem Motto „Sonne, Mond und Ähre“  zu unternehmen. Wie schon am Tag zuvor auf dem Boxberg, legte die herbstliche Abendsonne der thüringischen Landschaft ein verträumtes Gewand an und bescherte mir und meiner Kamera abermals tolle Stimmungsbilder. Als sich der Himmel schließlich von Gold über Violett zu Nachtblau gewandelt hatte, waren einige Kilometer auf dem Seeberg zurückgelegt und viele neue und interessante Bekanntschaften gemacht worden. 

Wir hüten das Licht, wir hüten das Feuer, die Geister sind uns wohl geheuer

MOSAIC – SILVER NIGHTS
Räucherwerk und kleine Gaben an die Geister des thüringischen Waldes liegen bereit zum Brandopfer, während sich eine heitere Stimmung rings um die lodernden Flammen breitmacht. Funken umtanzen das Jahresrad aus Korn, während Martin Corvin von Nihil Nihil mit der Trommel begleitet.

Die Einkehr zum gemütlichen Hüttenabend im „House of Inkantation“ wurde schließlich zum würdigen Abschluss unserer Gotha Experience. Zu den Klängen melancholischer Lieder, spontan dargebracht von Martin und Corvin, flog die Zeit untermalt vom flackernden Schein des Feuerkreises nur so dahin. Als schließlich der letzte, einsame Funke gen Himmel getanzt und das letzte Lied verklungen war, wurde uns der ätherische Rauch auf sterbender Glut verräucherter Opfergaben zum Abschiedsgruß. Am nächsten Morgen verließen wir Thüringen im Wissen aus diesen lichtdurchströmten Tagen angenehme und lange anhaltende Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen zu können. 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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