Von Druden und Druiden: Das fränkische Stonehenge

Es gibt wohl in der ganzen fränkischen Schweiz keinen bekannteren und gleichzeitig bequemer zu erreichenden Kraftort. Die Rede ist vom Druidenhain nahe Wohlmannsgesees. Ein Nachmittag in der Anderswelt und der Versuch einer ganzheitlichen Annäherung an das „fränkische Stonehenge“

Kinder spielen zwischen den weit verstreuten Jurafelsen, klettern fröhlich durch die tiefen, von Wurzeln durchzogenen Schluchten, irgendwo im Druidenhain bellt ein Hund und wird von seinem Herrchen zur Ruhe gerufen. Dazwischen geht ein Pärchen planvoll von Stein zu Stein und spürt verborgenen Energien nach. Am Zugang zum Hain finden wir einen Aushang mit Kursangeboten zu Ritualen und Führungen durch das Felsenlabyrinth.

Wir bemerken schnell: Der Druidenhain zieht Menschen mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Erwartungen an. Deutlich wird bei näherer Recherche auch: So unterschiedlich die Ansprüche an den Ort, so vielfältig fallen die Deutungen aus.

Von Druden und Druiden – Ein Ort, viele Namen

Bevor der Druidenhain zum Druidenhain wurde, hieß er ganz schlicht dem Flurnamen nach „Esbach“. Erst in der Neuzeit, am Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt er seinen heute gebräuchlichen, mystisch klingenden Namen. Manchmal  wird auch vom „fränkischen Stonehenge“ gesprochen. Allerdings konnte die Theorie, die Felsblöcke könnten ein von Menschenhand geschaffener Sonnenkalender sein, durch neuzeitliche geologische Forschung wiederlegt werden. Im Mittelalter war der Ort auch zwischenzeitlich als Drudenhain verrufen. Zurückzuführen auf eine nächtliche Zusammenkunft verschwörerischer Raubritter bei Fackelschein. Diese wurde, der Legende nach von einem Bauern beobachtet und für eine Hexenversammlung gehalten. Da Hexen im Volksmund auch Druden genannt wurden, könnte auch diese Begebenheit bei der Namensgebung eine Rolle gespielt haben.

Der heute gebräuchliche Name Druidehain entstand erst Anfang des 20. Jahrhunderts, wohl auch weil die Beschäftigung mit Germanen und Kelten in Mode war. Der damalige Bürgermeister beschäftigte sich jedenfalls leidenschaftlich mit dem Hain und kam nach langen Jahren eigener Forschung zu dem Schluss, der Ort müsse den Priestern der Kelten als Kultstätte gedient haben. Charakteristischen Felsen wurden klangvolle Namen gegeben und schnell war man mit Deutungen an der Hand, welche Funktionen die Felsen wohl seinerzeit erfüllt hätten.

Wenn wir heute eines über die historischen Druiden wissen, dann das wir fast nichts wissen. Ihre kultischen Praktiken und ihre Bedeutung für die damalige Gesellschaft ging so gut wie komplett mit der keltischen Lebensart in grauer Vorzeit verloren. Beinahe nichts ist schriftlich überliefert, das lässt naturgemäß immens viel Spielraum für die eigene Phantasie. Gesunde Vorsicht ist also geboten wenn wir versuchen den Ort anhand der Deutungen anderer für uns zu entdecken.

 

Ein Werk von Millionen Jahren

Es ist mittlerweile erwiesen, das die Felsblöcke durch natürliche Vorgänge über Jahrmillionen hinweg ihre heutigen Plätze in der Landschaft gefunden haben. Wer sich intensiver mit der wissenschaftlichen Untersuchung des Areals auseinandersetzen möchte, der findet HIER eine gute Quelle. Fest steht auch, das bei Grabungen keine Spuren von kultischen Handlungen festgestellt werden konnten. Das bedeutet aber nicht, das es diese hier nicht gegeben haben muss. Der Mensch nutzte schon immer herausragende Geländemerkmale in der Landschaft als Kulisse für Riten und religiöse Handlungen.

Spurensuche im Hain- Runenmagie und Liebesschwüre

Als wir uns genauer umsehen, entdecken wir zwar keine historisch belegbaren Spuren kultischer Handlungen, dafür scheint der Ort aber in der Neuzeit ein Mekka für Naturbegeisterte, spirituelle Menschen jeglicher Coleur geworden zu sein. Wir entdecken einen Baum der mit Wünschen auf Zettelchen und Federn geschmückt ist. Viele, viele Runen, geritzt in Steine und leider auch in Bäume. Dazwischen, ebenfalls in Bäume, geschnittene Liebesschwüre wie allerorts, wo viel Trubel herrscht. Auch scheinen hier regelmäßig Feuer zu brennen, man findet viel verkohltes Holz und eine wilde Feuerstelle.  Ich erinnere mich, dass ich hier auch schon Traumfänger in Bäumen gesehen habe, Spiralen aus Steinen und dergleichen mehr. Viele Menschen hinterlassen hier ihre Spuren. Ob das immer gut ist, kann ich nicht beurteilen. Ich zumindest empfinde die Atmosphäre im Hain als sehr unruhig an diesem Sonntag.

Was bleibt ist pure Naturmystik

Noch während wir den Hain verlassen, fange ich an, über diesen Ort nachzudenken. Wir steigen in unser Auto, das eines von vielen an diesem Nachmittag  auf dem Parkplatz vor dem „fränkischen Stonehenge“ ist. Plötzlich wird mir bewusst: Auch wir haben heute so etwas wie „Kraftorttourismus“ betrieben, sind hingefahren weil es dort eben besonders schön ist, weil man ja auch irgendwie das besondere erwartet. Das nächste mal, nehme ich mir vor, werde ich den Ort besuchen, wenn es ruhiger ist, vielleicht erzählt er mir ja dann eine weniger reißerische Geschichte. Vielleicht eine, die mir dabei hilft, Orte wie den Hain neu und unvoreingenommen zu entdecken. Wenn ich als Schüler komme und nicht als Tourist. Bis dahin bleibt der Druidenhain für mich einfach nur pure Naturmystik, auch wenn er aufgrund seiner Popularität stark überlaufen ist.

Hattet ihr vielleicht ein besonderes Erlebnis im Hain? Oder pflegt ihr eine besondere Beziehung zu diesem Naturheiligtum? Dann seid ihr herzlich dazu eingeladen, die Kommentarfunktion zu benutzen.

 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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