Frau Holles Hühnergarten

Mit dieser Bilderserie stelle ich euch einen Ort vor, der mich wie kein Anderer geprägt hat. Hier in diesem von Hollerbüschen umstandenen Garten am Waldrand habe ich meine ersten Erfahrungen mit der belebten Natur sammeln dürfen, hier hat mir mein Vater gezeigt dass alles Leben Respekt verdient, während mich meine Mutter nach und nach für die spirituelleren Aspekte des Lebens begeistern konnte. So zieht es mich auch heute immer wieder raus aus der Stadt, in „Frau Holles Hühnergarten“, aus dem ich euch diese Impressionen mitgebracht habe.

Auch nach Jahren lassen sich noch märchenhafte Perspektiven an bekannten Orten finden. Man muss es nur zulassen und mit offenen Augen durch das Leben gehen. Dieses steinerne Kätzchen hinter der Brennnessel hat mich spontan verzaubert.
So manch einer macht es sich im Schatten bequem.

Frau Holle liebt diesen Garten

Ich bin mir mittlerweile ganz sicher das Frau Holle in diesem Garten Station macht, wenn sie ihre Reisen aus der Anderswelt unternimmt um in der Welt der Menschen nach dem Rechten zu sehen.

Lebendiger Beweis ihrer Zuneigung zu diesem Fleckchen Erde sind die vielen großen und kleinen Hollunderbäumchen und Büsche, die sich überall ausgebreitet haben. Kein Wunder dass die gütige Perchta, ganz wie im Märchen, ihre Freude an diesem Garten hat. Hier geht nichts wirklich dem Müßiggang nach. Überall summt, scharrt, blüht und rankt es. Hier ist in jedem Eckchen fleißiges Wachstum, vielgestaltiges Leben und geschäftiges Treiben zu beobachten. 

Wie kleine Wolken wachsen die Hollunderblüten dem Himmel entgegen. Eine schöne Metapher für das Wesen der Pflanze: Tief Verwurzelt in der Erde und dennoch irgendwie immer in der Sphäre der Anderswelt, vermittelt sie zwischen den Welten.
Hollunder rahmt auch den abgestorbenen Apfelbaum ein.

Franz Ferdinand und die wilden Hühner

Besonders geschäftig und emsig ist ein glücklicher Hühnerstamm den ganzen Tag auf ursprünglichen Pfaden im Garten unterwegs. Die Damen gehen dabei sehr emanzipiert, ganz und gar eigensinnig ihrer Wege. Man findet sie mal Schatten suchend in den Büschen, mal weit ab vom Grundstück, nahe dran am wilden Waldrand, dann wieder forsch und frech direkt auf der Treppe zum Haus.

Wilde Hühner! Beinahe wähnt man sich beim Anblick einer solchen Szene in der Ära der Dinosaurier. Kein Wunder, entstammt doch das Huhn einer Familie jagender Raubsaurier.

Dem Hahn Franz Ferdinand werden hingegen zumeist nur Tätigkeiten mit repräsentativem Charakter zuteil. Natürlich darf er seine Mädels noch vor den Bussarden warnen, die über den nahen Wiesen und Feldern kreisen. Dafür lassen sich die Hühnerdamen dann auch von Zeit zu Zeit dazu herab, auf seine Avancen einzugehen oder überrascht herbeizustürmen wenn er mit stolz geschwellter Brust vermeldet, einen besonders saftigen Wurm entdeckt zu haben. 

Der Hahn Franz Ferdinand: Herrscher mit lediglich repräsentativer Tätigkeit. Das Sagen haben die Mädels.

Nötig hätten sie diese Art der Fürsorge beileibe nicht. Beinahe überall in Holles Hühnergarten lassen sich mit geringem Aufwand die verschiedensten Insekten auftreiben. Ob unter Steinen, im Dickicht nahe der Rosenbüsche oder am Stamm des abgestorbenen Apfelbaumes. Hier ist sie, die dieser Tage vielbeschworene Artenvielfalt.

Den ganzen Tag über geschäftiges Treiben am Insektenhotel.

Diese Vielfalt ist jedoch nur möglich, weil dieser Garten Menschen wie meinen Eltern gehört, die es verstanden haben, dass sich die Natur selbst am besten reguliert. Eingegriffen wird nur dann, wenn es absolut notwendig ist. Manch einer hätte zum Beispiel den alten, toten Apfelbaum schon längst aus dem Garten geworfen. Nicht so mein Vater, der um die immense Bereicherung weiß, die Totholz für ein Ökosystem mit sich bringt. 

Und ganz wie im Märchen zahlt sich Weisheit und Besonnenheit am Ende oft aus. In diesem Fall revanchieren sich die Hühnerdamen ob ihrer gesunden Diät, mit wahrhaft goldenen Eiern. Dass alles, was mit diesen Eiern zubereitet wird am Ende natürlich und gehaltvoll schmeckt, ist kein Wunder. Denn wo das Leben und die Natur sie selbst sein darf, entsteht zutiefst Charaktervolles und Ehrliches. 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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