Es Rauhnachtet! Die Kunst zwischen die Jahre zu fallen

In diesem Artikel begebe ich mich auf die Suche nach der Bedeutung der Rauhnächte für unser modernes Leben. Außerdem habe ich einige Vorschläge für dich, wie du die Rauhnächte ganz praktisch dazu nutzen kannst, fokussiert in einen neuen Umlauf um die Sonne zu starten. Lass dich doch einfach mal zwischen die Jahre fallen!

Viel ist in diesen Tagen von den sogenannten Rauhnächten zu hören und zu lesen, stehen die zwölf, bzw. dreizehn heiligen Nächte doch kurz bevor. Darüber, das diesen Tagen und Nächten irgendein besonderer Zauber innewohnt, sind sich die meisten Menschen einig. Zumindest die, die sich ein wenig mit Brauchtum und/oder Spiritualität auseinandersetzen. Das war es dann aber auch schon mit den Übereinstimmungen.

Wann sind jetzt nochmal genau die Rauhnächte?

Spricht der Eine von den Rauhnächten und meint die „Zeit zwischen den Jahren“ dann mag er vielleicht über den Zeitraum zwischen dem 24.12 und dem 01.01 sprechen. Der andere meint den Zeitraum vom 21.012 bis zum 06.01 und wieder ein anderer siedelt die Rauhnächte zwischen dem 25.12 und dem 06.01.an. Überraschend kurios und nicht weniger kompliziert wird es, wenn wir uns das ganze einmal historisch und kalendarisch ansehen.

Herkunft und Ursprung

Die sogenannten Rauhnächte  oder auch: Innernächte, Rauchnächte, Zwölfte ergeben sich wohl ursrpünglich aus einer Rechnung nach dem Mondkalender, genauer gesagt aus der Differenz zwischen der Zählweise des Mondkalenders und der des Sonnenkalenders. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, das unser Jahreswechsel vom 31.12 auf den 01.01. erst seit 1691 verbindlich festgelegt wurde. Davor endete das Jahr am 25.12 und begann am 06.01.

Auf die nötigsten Infos heruntergebrochen: Ein Mondjahr mit 12 Monaten zählt nur 354 Tage, ein Jahr in der Zählweise des Sonnenkalenders 365 Tage. Die auf das Sonnenjahr fehlenden 11 Tage bzw. 12 Nächte befinden sich außerhalb des Mondkalenders und fallen somit „aus der Zeit“.

Damit ist dieser Zeitraum „tote Zeit“ und somit nicht sofort rational zu begreifen, zumindest nicht, wenn man sich nicht eingehender mit Astronomie und Zeitrechnung befasst hat. Kein Wunder also, das diese Tage und Nächte egal wie sie definiert werden, in unserer europäischen Kultur mythologisch und volkstümlich einen hohen Stellenwert einnehmen. Unsere Vorfahren gingen davon aus, das die Grenzen zum Reich der Geister in den Tagen zwischen den Jahren durchlässiger waren. Vieles von dem was an Volksmagie und Brauchtum noch überliefert ist, lässt sich auf die Erfahrungen unserer Ahnen mit der herrschenden Dunkelheit und der Begegnung mit den Naturgewalten im tiefsten Winter zurückführen. Die Gemeinschaft muss damals enger zusammengerückt sein, die Welt stand still zwischen den Jahren. Eine furchtsame, magische Zeit voller Orakel und Zeichen begann, die mit dem neuen Jahr endete.

Krampus Percht
Auf dem Krampuslauf in Innsbruck. Immer noch sind die Erinnerungen an das Wirken dunkler Mächte im Volksglauben konserviert geblieben. Heute allerdings überwiegend zu Unterhaltungszwecken.

Bedeutung für unsere moderne Zeit

Ein bisschen entzaubert lassen mich diese Fakten dann doch zurück. Einmal mehr wird mir bewusst, wie radikal sich unsere industrialisierte Lebenswelt von der unserer Ahnen unterscheiden muss. Ich komme zu dem Schluss, das Rauhnachtsbräuche eine archaische Sprache sprechen, die ich nicht mehr verstehen kann, weil sie mit meiner Lebensrealität nichts zu tun haben.

In meiner warmen Wohnung in der Stadt muss ich mir keine Gedanken über einen Wintersturm machen. Wenn ich möchte, kann ich mir die Dunkelheit dank elektrischem Licht die ganze Nacht vom Hals halten. Die Tiere im Stall müssen  nicht mehr mit magischen Praktiken vor Krankheit geschützt werden, alleine deshalb weil die Viehhaltung ein anderer übernimmt. Und schließlich ist „Die wilde Jagd“, vor der sich die Alten noch fürchteten, zu einer netten Anekdote geworden. Ihre Spuren hat das Geisterheer lediglich in der Volkssage hinterlassen, die darauf angewiesen ist, weitererzählt zu werden.

Wo liegt denn dann jetzt die Bedeutung für unser modernes Leben?  Ist die Beschäftigung mit der Rauhnacht am Ende nur romantische Schwärmerei und im schlimmsten Fall unnützer esoterischer Unfug?

Ganz und gar nicht wie ich finde. Die Rauhnächte bieten uns, wenn wir das möchten, eine echte  Alternative zu unserer durch und durch sinnentleerten Vorweihnachtszeit. Ich persönliche habe es dank der blinkenden Weihnachtsmärkte, hektischer Geschenkejagd und der oftmals erdrückenden Erwartungshaltung anderer an mich, nie geschafft mich „zu besinnen“. Natürlich mag auch ich den Glühwein, die bunten Weihnachtsmärkte und vieles was zu dieser für mich immer als ambivalent erlebten Vorweihnachtszeit gehört. Aber eine engere Verbindung zum Jahreskreis und eine tiefere, stille Wintererfahrung konnte ich nie finden.

Seit ich mich aber mit spirituelleren Themen befasse, und dazu gehört nun eben auch der „Mythos“ Rauhnacht, erlebe ich den Winter und gerade den Jahreswechsel wieder ursprünglicher und natürlicher. Für mich sind die Rauhnächte  nicht nur eine Zuflucht nach dem Weihnachtsstress geworden sondern in erster Linie ein Zeitfenster, in dem ich mich neu ausrichten kann.

In der Innenschau gewonnene Einsichten über mein  „zukünftiges Ich“ und mein „vergangenes Ich“ kann ich als wertvolle Richthilfen mit in das neue Jahr nehmen. Fokus und Besinnung werden nie aus der Mode kommen und prägen das Streben des Menschen nach Weisheit seit altersher grundlegend.

Die Rauhnächte bieten uns aufgrund ihrer besonderen Lage im Jahr genügend Raum für Einkehr und persönliche Entwicklung im Einklang mit dem Jahreskreis.

 

Mit diesen kleinen Vorschlägen fällt es dir vielleicht ein bisschen leichter, ganz ohne komplizierten „Hokuspokus“, eine eigene Beziehung zum Mythos Rauhnacht zu entwickeln. Auch wenn du beruflich oder familiär sehr eingespannt bist, ein paar kleine Tips kannst du sicher mitnehmen:


Digital Detox als Schlüssel zu deinem inneren Fokus

Ein bisschen überstrapaziert ist der Begriff ja mittlerweile schon, aber ich halte eine gewisse digitale Abstinenz  für unerlässlich, wenn du wirklich in deine eine innere Ruhe finden willst. Nicht umsonst nimmt das Fasten in jeder spirituellen religiösen Praxis einen hohen Stellenwert ein. Stell dir vor, du lauscht in dich hinein, und es ist so laut, das du dich selbst nicht heraushören kannst. Zumindest kannst du versuchen die Lautstärke in dir ein bisschen herunterzudrehen, indem du dich näher mit Digital Detox befasst.

Wenn du dich noch nicht genauer mit Digital Detox auseinandergesetzt hast, bieten die Rauhnächte einen sinnvollen Anlass.  Auch ich verbringe leider immer noch viel mehr Zeit online als mir lieb ist. Wenn du wie ich Anleitung und Inspiration suchst, im Digital-Detox Blog von Karoline Mohren findest du sie.

Aber für den Anfang: mache es dir während der 12 heiligen Tage zur festen Gewohnheit, dein Handy für mindestens eine Stunde am Tag abzustellen und verzichte auch Nachts darauf, das Handy eingeschaltet zu lassen, wer weiß welche Rauhnachtsträume dich wegen der Handystrahlung sonst nicht erreichen.

Klinke dich für eine Zeit aus der Cloud aus und erlaube es deinem Geist sich wieder fester mit der Erde zu verbinden. Vielleicht stellst du ja auch fest, das es dich beunruhigt jetzt wirklich mal offline zu sein? Prima, dann nimmst du aus den Rauhnächten schon deine erste Lektion für das kommende Jahr mit….Werde ein Stück mehr unabhängig!


Dein Rauhnachtsjournal 

Das Führen eines Tagebuches ist im allgemeinen eine gute Idee, in der Zeit zwischen den Jahren ist ein Büchlein mit Notizen auf jeden Fall Gold wert! Die angefertigten Notizen können dir später bei der Innenschau behilflich sein. Du kannst dein Journal auch nach den Rauhnächten weiter nutzen, als dein Reisetagebuch im Jahreskreis.

Folgendes könntest du notieren:

  • Notiere deine Träume während der Rauhnächte
  • Halte Besondere Begegnungen fest ( Mit Menschen / Tieren / Pflanzen )
  • Vor welchen Herausforderungen sträubst du dich im neuen Jahr?
  • Wo siehst du deine inneren Dämonen lauern und traust du dir zu ihnen zu begegnen?
  • Notiere kleine Wünsche und Ziele für das kommende Jahr in deinem Büchlein
  • Halte Natur und Wetterbeobachtungen fest

Einen besseren Zeitpunkt um mit Meditation zu beginnen gibt es nicht! 

Du wolltest dich schon immer mit Meditation auseinandersetzen, hast aber nie so recht den Einstieg gefunden? Vielleicht ist gerade jetzt, zwischen den Jahren ein guter Zeitpunkt dich tiefer mit dem Thema damit zu befassen. Meditation passt ganz wunderbar in unseren Rauhnachtlichen „Werkzeugkasten“ Wenn du schon Erfahrungen gesammelt hast, warum entwickelst du nicht eine spezielle Rauhnachtsmeditation? Vielleicht gehst du auch einfach mal raus in den Wald und suchst dir ein stilles Plätzchen zum meditieren? Vergiss aber nicht, deine Erlebnisse Hinterher in dein Tagebuch einzutragen.

 


Nimm dir Zeit für deine Beziehungen 

Nicht nur die Beziehung zu dir selbst kann während der Rauhnächte Gegenstand einer Reflexion sein, auch die anderen Bindungen in deinem Leben kannst du überdenken, neu ordnen oder einfach nur intensiv pflegen.

Ob du schlussendlich einen Familienbesuch ohne konkreten Anlass machst, einen schönen Tag mit deiner Partnerin / deinem Partner verbringst oder vielleicht sogar beschließt, Beziehungen die dir nicht mehr guttun abzuschließen, die Rauhnächte bieten Raum für tiefere Kommunikation. Nimm dir doch einfach vor, das Smartphone während du „Quality-time“ mit einem anderen Menschen verbringst, auszuschalten oder im Auto zu lassen. Lass dich ganz auf deine Beziehungen ein und versuche zwischenmenschliche Blockaden aufzuspüren. Achtsamkeit ist hier das Schlüsselwort. Anschließend nimmst du deine Erkenntnisse mit hinüber in das neue Jahr und kannst konstruktiv an der Gestaltung deiner Bindungen arbeiten.


Zwei Alternativen zum Räuchern

Seit Anbeginn der Rauhnächte ( Rauchnächte ) war das Räuchern ein fester Bestandteil des Brauchtums rund um die Zeit zwischen den Jahren. Man versuchte mit Räuchermischungen aus verschiedenen getrockneten Pflanzen und Harzen böse Geister aus der Wohnstube zu vertreiben und Schaden von den Tieren fernzuhalten. Kein Wunder, wirkt der Rauch doch desinfizierend. Räuchern und Pflanzenkunde sind eine Wissenschaft für sich und das Internet ist voll mit Anleitungen zum richtigen Räuchern und den damit verbundenen Ritualen.

Jetzt bist du aber vielleicht nicht der Typ fürs Räuchern, dir fehlt die Ausstattung oder du hattest bislang einfach keine Muße dich in das Thema einzulesen. Damit du trotzdem Zugang zu der Arbeit mit Pflanzen während des Jahreswechsels finden kannst hier zwei Tips für dich:

Nimm ein Rauchnachtsbad mit ätherischen Ölen

Ätherische Öle in Bio-Qualität findest du heutzutage in beinahe jedem Biomarkt oder du bestellst bequem per Internet. Am besten eignen sich für so ein Rauhnachtsbad Öle von Pflanzen mit reinigender bzw. desinfizierender Wirkung.  zB:

  • Wacholder
  • Hollunder
  • Fichte
  • Weißtanne
  • Salbei

Du solltest bei der Vorbereitung des Bades folgendermaßen vorgehen:

Mische das Öl grundsätzlich mit einem Trägerstoff wie etwas Milch, Honig oder Pflanzenfett und nimm nicht mehr als 5-6 Tropfen Öl. Natürlich kannst du verschiedene Öle untereinander auch gut mischen. Verlasse dich dabei doch einfach auf deine Intuition.  Die Mischung gibst du einfach in das warme Badewasser.

Nutze eine Duftlampe

Natürlich kannst du dir auch einen teuren, elektronischen Vaporizer kaufen. Aber warum nicht zur guten alten Duftlampe oder Schale greifen. Die braucht keinen Strom, sondern lediglich etwas Aufsicht, da sie mit einem Teelicht funktioniert. Du kannst ganz wunderbar mit den verschiedenen Aromen herumexperimentieren, bis du in deinem Zimmer eine Atmosphäre kreiert hast, die sich „rauhnachtlich“ anfühlt. Auch hier kannst du dich wieder von Räuchermischungen die speziell für die Rauhnächte angefertigten werden inspirieren lassen oder du benutzt deine eigene, intuitive Mischung. Hauptsache, du knüpfst an den alten Brauch an und nutzt die Zeit zwischen den Jahren, um ein paar Pflanzengeister kennenzulernen, du wirst ein paar gute Begleiter für die Rauhnachtszeit kennenlernen.

 

Es gibt sicherlich noch tausend weitere Möglichkeiten, die Rauhnächte individuell zu begehen. Wenn du noch mehr Anregungen hast, bin ich gespannt darauf zu erfahren, welche Möglichkeit du gefunden hast, dich zeitgemäß mit diesem alten Brauchtum zu verbinden.

 

 

Veröffentlicht von Johannes

Hallo, mein Name ist Johannes. Wenn ich nicht gerade an meinem Blog schreibe oder draußen mit der Kamera unterwegs bin, arbeite ich als Heilerziehungspfleger und engagiere mich ehrenamtlich für den Naturschutz.

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